Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026
Testosteron bei Frauen: Alles über Androgene, Überschuss und Symptome
Auch wenn es auf den ersten Blick konträr aussehen mag, dass die männlichen Sexualhormone etwas mit dem weiblichen Zyklus zu tun haben, ist deren Rollen nicht zu unterschätzen. Doch eins nach dem anderen.
Was sind Androgene?
Aus biochemischer Sicht sind Androgene Steroidhormone, die sich vom Cholesterin ableiten lassen. Vereinfacht gesagt, werden die männlichen Sexualhormone als Androgene bezeichnet, wobei Dihydrotestosteron (DHT) und Testosteron die wichtigsten sind und gerade zweiteres als das männliche Sexualhormon schlechthin bekannt ist. Auch du hast Androgene in deinem Körper, jedoch in einer deutlich geringeren Konzentration als Männer (1).
Wusstest du, dass bei Frauen die Konzentration der männlichen Sexualhormone im Vergleich zu Männern nur ein Zehntel beträgt? (2)
Auch wenn DHT und Testosteron dieselbe zelluläre Wirkung haben und die chemische Struktur fast identisch ist, hat DHT eine deutlich stärkere Wirkung. Vielleicht fragst du dich, was das alles mit deinem Zyklus zu tun hat. Ziemlich viel, denn beide männlichen Sexualhormone können, nachdem sie in die Zellen aufgenommen wurden, in Östrogen umgewandelt werden. Und wie bereits aus dem letzten Blogbeitrag bekannt, ist Östrogen eines der zwei wichtigsten weiblichen Sexualhormone (1). Somit ist Testosteron auch für einen ausgeglichenen Zyklus und deine Fruchtbarkeit entscheidend.
Wie du dir wahrscheinlich vorstellen kannst, sind Androgenen für die typische männliche Körperbehaarung verantwortlich. Zusätzlich dazu sind sie ebenfalls für den Knochen- und Muskelaufbau wichtig, welcher bei Männern in der Pubertät zu ausgeprägten Wachstumsschüben führt (3). Hast du dich schonmal gefragt, warum du besonders im Gesicht und am Rücken Pickel bekommst? Auch da haben Androgene ihre Finger im Spiel. In der Haut befinden sich Androgen-Rezeptoren, die für die Talgproduktion verantwortlich sind. Diese Rezeptoren sind besonders am Rücken und im Gesicht wichtig. Eine Überproduktion von Androgenen führt zu einer erhöhten Talgproduktion, die wiederum Pickel auslöst (1).
So weit, so verständlich, aber was bewirken Androgene im weiblichen Zyklus?
Grundlegend werden die männlichen Sexualhormone als Vorstufe in der Östrogenbildung gebraucht. Zusätzlich steigern sie auch, wie der Name bereits verrät, deine Libido (1).
Mit dem Einsetzen der Periode steigt dein Testosteronlevel im Körper an und erreicht beim Eisprung seinen Höhepunkt. Dadurch kann es passieren, dass du eine gesteigerte Lust verspürst, besonders am Tag des Eisprungs. Danach sinkt das Testosteronlevel wieder, bis zur Periode. Das führt dazu, dass Testosteron zu DHT umgewandelt wird, das wiederum für die Talgproduktion verantwortlich ist. Ist die Konzentration des Sexualhormons jedoch zu hoch, beeinflusst das die Talgproduktion negativ und es kommt zu Verstopfungen der Talgdrüsen und Pickel können entstehen (4).

Vielleicht wunderst du dich, dass ein Androgenüberschuss zustande kommen kann, wenn der Anteil im weiblichen Körper bereits vergleichsweise niedrig ist.
Was ist ein Androgenüberschuss und wie entsteht er?
Einfach gesagt, bedeutet es, dass du einen erhöhten Spiegel von männlichen Sexualhormonen, insbesondere von Testosteron, hast. Durch den erhöhten Testosteronwert kann es auch zu einem Östrogenüberschuss kommen, da Testosteron in Östrogen umgewandelt wird. Mehr Testosteron bedeutet somit auch mehr Östrogen (4).
Die Ursachen für einen Androgenüberschuss sind vielfältig, jedoch gibt es im Allgemeinen drei Hauptursachen:
- Genetik
- Chronischer Stress
- Übermäßiger Körperfettanteil
Weitere Ursachen für diesen Überschuss sind: (4)
- Hormonelle Verhütungsmittel
- PCOS
- Starke Blutzuckerschwankungen
- Insulinresistenz
- Überfunktion der Nebennierenrinde oder der Eierstöcke
Typische Symptome
Mögliche Anzeichen, dass du einen Androgenüberschuss hast, sind: (4)
- Pickel & Akne
- Haarausfall
- vermehrte Behaarung, die eigentlich typisch für Männer ist
- Störung deiner Libido
- Zysten im Eierstock
- Zyklusstörungen
- Verminderte Fruchtbarkeit
- Vergrößerung der Klitoris
- Bluthochdruck
- Gewichtszunahme
- Muskelwachstum
Erkennst du dich wieder in diesen Symptomen? Vereinfacht gesagt, sind viele Symptome, die dich eher männlich erscheinen lassen, auch hormonell auf zu viel Testosteron zurückzuführen. Dazu gehört übrigens auch eine tiefere Stimme. Das hört sich als Frau nicht sehr berauschend an, aber keine Sorge: Es gibt einiges, was du im Alltag tun kannst. Bei Verdacht auf einen Androgenüberschuss lass deine Hormonwerte am besten ärztlich abklären.
Was du im Alltag tun kannst
1. Richtige Ernährung - weniger Insulin
Mit der richtigen Ernährung und regelmäßigem Sport kannst du tatsächlich schon einiges bewirken. Die effektivste Methode ist, einem Ernährungsplan mit niedrigem glykämischem Index und vielen Ballaststoffen zu folgen. Das weniger Schöne an dieser Ernährung ist, dass dies die Lebensmittel betrifft, die meisten einfach etwas zu lecker sind, weil sie viel Zucker und Weißmehl enthalten. Dazu zählen Süßigkeiten, Gebäck, Alkohol und Semmeln. Wenn du wirklich mal nicht darauf verzichten möchtest, kein Problem. Es ist wichtig, dass du in der gleichen Mahlzeit viele Fette, viele Proteine und Ballaststoffe isst, da dies den Anstieg des Blutzuckerspiegels „puffert“. Auch viel Wasser zu trinken hilft. Das „Schlimmste“ ist beispielsweise auf nüchternen Magen eine Semmel mit Nutella zu essen. Da schießt dein Blutzucker durch die Decke und parallel damit auch deine Talgproduktion. Mehr zum Thema Insulinresistenz findest du in unserem Blogbeitrag über PCOS.
2. Breathe and flow
Yoga wird im Zusammenhang mit PCOS wissenschaftlich untersucht. Einige Studien legen nahe, dass regelmäßiges Yoga die Insulinempfindlichkeit verbessern kann (5). Außerdem kann Yoga dir helfen, Stress abzubauen. In diesem Sinne: Namasté.

3. Akupunktur
Spannend ist, dass Akupunktur bei Frauen mit PCOS in Studien untersucht wurde, unter anderem mit Blick auf den Eisprung (6). Ob das für dich in Frage kommt, besprich am besten mit deiner Ärztin.
4. BPA (Chemische Weichmacher) meiden
Wusstest du, dass Frauen mit PCOS einen höheren BPA-Spiegel im Blut haben und dass die Menge mit dem Androgenspiegel und der Insulinresistenz korreliert?
BPA kann in das endokrine System eingreifen und deine Hormonregulation stören. Einige Studien deuten darauf hin, dass BPA die Produktion von Androgenen stimulieren und somit zu einem Anstieg der Androgene im weiblichen Körper führen kann (7). Um BPA in deinem Alltag zu minimieren, kannst du einige einfache Schritte befolgen:
- Viele Beschichtungen von Konservendosen enthalten BPA → Kaufe frische, unverarbeitete Lebensmittel
- Verwende BPA-freie Trinkflaschen
- Vermeide Plastikbehälter beim Erhitzen von Lebensmitteln
5. Mikronährstoffe
Chrom ist ein Spurenelement, das zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels beiträgt. Da der Blutzucker bei PCOS häufig ein Thema ist, lohnt sich ein Blick auf deine Versorgung. In Honig findest du beispielsweise Chrom.
Im New England Journal of Medicine wurde über Studien zu Inositol bei Frauen mit PCOS berichtet. Besonders D-Chiro-Inositol (DCI) und Myo-Inositol (MI) werden in diesem Zusammenhang erforscht, da sie eine Rolle im Insulinstoffwechsel spielen. Welche Therapie für dich sinnvoll ist, solltest du immer ärztlich abklären (9).
Zink trägt zu einem normalen Kohlenhydrat-Stoffwechsel und zu einem normalen Säure-Basen-Stoffwechsel bei (8). In Samen, Kernen und Käse ist Zink enthalten.
Eine auffällige Erkenntnis bei einer Studie zu PCOS war, dass 44% der PCOS-Patientinnen einen Vitamin-D-Mangel hatten, während in der Vergleichsgruppe Frauen ohne PCOS nur 11% von einem Mangel betroffen waren. Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei (10). Außerdem trägt Vitamin D zur Erhaltung normaler Knochen bei. Daher nimm dir Zeit, um täglich etwas Sonne zu tanken. Eine sonnige halbe Stunde am Nachmittag ist für deinen Tagesbedarf an Vitamin D meist ausreichend.
6. Pflanzen in der Forschung
Zimt wird schon lange im Zusammenhang mit der Insulinempfindlichkeit erforscht. Die Studienlage ist allerdings noch nicht eindeutig. Zimt ist trotzdem eine leckere Ergänzung für dein Frühstück.
Auch die Sägepalme wird erforscht, vor allem mit Blick auf die Enzyme, die Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) umwandeln. Belastbare Ergebnisse für Frauen gibt es bisher kaum. Die Pflanze sieht übrigens genauso gefährlich aus, wie sie klingt.

FEVANA Zyklus
Die genannten Mikronährstoffe Myo-Inositol, Chrom, Vitamin D und Zink sind alle in FEVANA Zyklus enthalten. Chrom trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels bei, Zink zu einem normalen Kohlenhydrat-Stoffwechsel und Vitamin D zu einer normalen Funktion des Immunsystems. So bekommst du in jeder Zyklusphase eine durchdachte Nährstoffkombination.

Häufige Fragen zu Testosteron bei Frauen
Wofür braucht eine Frau Testosteron?
Testosteron ist eine Vorstufe für die Östrogenbildung, spielt eine Rolle für Libido, Knochen und Muskeln und ist damit auch für deinen Zyklus wichtig.
Woran erkenne ich zu viel Testosteron?
Typische Anzeichen sind unreine Haut, vermehrte Körperbehaarung, Haarausfall und Zyklusstörungen. Ob ein Androgenüberschuss vorliegt, kann nur eine ärztliche Untersuchung der Hormonwerte zeigen.
Was hat Testosteron mit PCOS zu tun?
Ein erhöhter Androgenspiegel ist eines der typischen Merkmale von PCOS. Häufig hängt er mit einer Insulinresistenz zusammen.
Quellenangaben
- Androgene. (2024, 19. April).
- Onmeda-Redaktion & Nagel, G. (2022, 20. Januar). Androgenisierung (Vermännlichung). Onmeda.
- Professional, C. C. M. (o. D.). Androgens. Cleveland Clinic.
- Christina.Liersch. (2024, 10. April). Zu viel Testosteron bei Frauen: Ursachen und Behandlung. Vital.
- Rehberg, C. (2024, 16. März). Yoga senkt Testosteronspiegel beim PCOS. Zentrum der Gesundheit.
- Spindelmann. (2019, 8. November). Akupunktur beim PCO-Syndrom hat Auswirkungen auf Hormone, Gewicht und Schwangerschaft. DeutschesGesundheitsPortal.
- Teng, C. T., Goodwin, B. L., Shockley, K. R., Xia, M., Huang, R., Norris, J. D., Merrick, B. A., Jetten, A. M., Austin, C. P. & Tice, R. R. (2013b). Bisphenol A affects androgen receptor function via multiple mechanisms. Chemico-biological Interactions, 203(3), 556–564.
- Arzt, D. N. (o. D.). Zink unterstützt Diabetestherapie. Der Niedergelassene Arzt.
- OstroVit. (2021, 17. November). Inositol - ein wirksames Mittel im Kampf gegen Insulinresistenz und PCOS. OstroVit.
- Rehberg, C. (2024a, Februar 11). Vitamin D bessert das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS). Zentrum der Gesundheit.